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Krypto-Recherche

Krypto Steuer auf Casino-Gewinne: Das gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Glücksspielgewinne sind in Deutschland steuerfrei. Krypto-Ein- und Auszahlungen lösen aber das private Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG aus.

Von Jonas Weber Faktengeprüft von Katrin Hoffmann Aktualisiert 6 Min. Lesezeit

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Glücksspielgewinne sind für private Spieler in Deutschland grundsätzlich steuerfrei, die Kryptowährung drumherum ist es nicht. Wer Coins innerhalb eines Jahres nach dem Kauf einzahlt oder gewonnene Coins bald wieder verkauft, verwirklicht ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG. Dieser Ratgeber erklärt die Haltefrist von einem Jahr, die Freigrenze von 1.000 Euro und die abweichenden Regeln in Österreich und der Schweiz.

Sind Casino-Gewinne in Deutschland steuerpflichtig?

Nein, für private Spieler nicht. Glücksspielgewinne fallen unter keine der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes (§ 2 EStG) und sind damit grundsätzlich einkommensteuerfrei, unabhängig von der Gewinnhöhe. Eine Ausnahme gilt für gewerbliches Spiel, etwa professionelles Pokerspielen (BFH, Urteil vom 16.09.2015, X R 43/12). Zinsen und Erträge aus angelegten Gewinnen sind dagegen steuerpflichtig.

Die Steuerfreiheit gilt nur für den Gewinn selbst. Nutzt du Kryptowährung, um im Casino zu spielen, bewegst du dich in einer zweiten, eigenen Steuerwelt: Jede Verwendung der Coins kann ein privates Veräußerungsgeschäft sein, das unabhängig vom Spielgewinn besteuert wird.

Wann wird die Krypto-Einzahlung zum Steuerfall?

Beim Einzahlen gilt die Kryptowährung steuerlich als verkauft. Der Verkauf von Kryptowährungen ist ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Die Einzahlung bei einem Casino zählt dabei wie das Bezahlen von Waren oder Diensten als Veräußerung.

Als Veräußerung gilt in Deutschland nicht nur der Verkauf gegen Euro. Auch der Tausch in eine andere Kryptowährung und das Bezahlen mit Krypto sind Veräußerungen, wie das Finanzministerium Baden-Württemberg festhält. Maßgeblich ist das BMF-Schreiben vom 6. März 2025, das die Finanzämter anwenden. Der steuerpflichtige Gewinn ist die Differenz zwischen dem Marktwert im Moment der Veräußerung und den Anschaffungskosten.

Vorgang Steuerliche Behandlung in Deutschland
Krypto mit Euro kaufen Keine Steuer, reine Anschaffung
Nach mehr als einem Jahr verkaufen Steuerfrei (§ 23 EStG)
Innerhalb eines Jahres verkaufen Gewinn steuerpflichtig, sofern die Freigrenze überschritten ist
Krypto gegen Krypto tauschen Veräußerung nach § 23 EStG
Mit Krypto einzahlen oder bezahlen Veräußerung nach § 23 EStG
Gewinn in Krypto ausgezahlt bekommen Steuerfreier Spielgewinn, Coins gelten als neu angeschafft

Bei der Auszahlung gilt das Gegenstück: Erhaltene Coins sind ein neuer Kauf mit Anschaffungskosten in Höhe des Marktwerts beim Erhalt. Ein späterer Verkauf innerhalb eines Jahres macht den Wertzuwachs steuerpflichtig. Diese Logik gilt für jedes Bitcoin-Casino gleichermaßen.

Haltefrist und Freigrenze: die zwei Regeln, die entscheiden

Zwei Regeln entscheiden, ob Krypto-Gewinne in Deutschland steuerpflichtig sind. Erstens die Haltefrist: Wer Coins länger als ein Jahr hält, veräußert sie steuerfrei (§ 23 EStG). Zweitens die Freigrenze: Bleibt der gesamte Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften in einem Kalenderjahr unter 1.000 Euro, bleibt er steuerfrei. Ab 1.000 Euro wird der komplette Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der übersteigende Teil.

Land Krypto-Gewinn (privat) Haltefrist Casino- und Lottogewinn Grundlage
Deutschland Persönlicher Einkommensteuersatz (progressiv), Freigrenze 1.000 Euro 1 Jahr, danach steuerfrei Steuerfrei für private Spieler § 23 EStG, § 2 EStG
Österreich 27,5 % KESt Keine Nicht steuerbar (privat) § 27a EStG
Schweiz Steuerfrei im Privatvermögen Keine feste Frist Casino vor Ort steuerfrei, Online ab Freibetrag Verrechnungssteuer 35 % Art. 16 Abs. 3 DBG

Die Frist beginnt für jeden Kauf separat, nicht für dein gesamtes Portfolio. Kaufst du regelmäßig nach, rechnet jede Tranche mit ihrem eigenen Datum. Vor 2024 lag die Freigrenze bei 600 Euro.

So rechnest du: Einzahlung und Auszahlung als Gewinn

Der steuerpflichtige Gewinn entsteht bei jeder Bewegung: Einzahlung als Veräußerung, Auszahlung als neuer Kauf mit späterem Verkauf. Bei der Einzahlung ist der Gewinn die Differenz zwischen Marktwert und Anschaffungskosten. Bei der Auszahlung sind die erhaltenen Coins mit ihrem Marktwert anzuschaffen, und erst der spätere Verkauf innerhalb eines Jahres besteuert den Wertzuwachs.

Einzahlung, Beispiel mit gerundeten Beträgen: Du kaufst im Januar 0,1 BTC für 5.000 Euro. Im Juni zahlst du die Coins bei einem Casino ein, als sie 6.500 Euro wert sind. Die Einzahlung ist eine Veräußerung mit einem Gewinn von 1.500 Euro, zu versteuern zum persönlichen Einkommensteuersatz, weil du die Coins weniger als ein Jahr gehalten hast.

Auszahlung, Beispiel mit gerundeten Beträgen: Du gewinnst 2.000 Euro und lässt dir den Betrag als 0,05 BTC auszahlen. Der Anschaffungswert dieser Coins ist der Marktwert im Moment des Erhalts, also 2.000 Euro. Verkaufst du die Coins acht Monate später für 2.700 Euro, entsteht ein Gewinn von 700 Euro. Bleibt dein gesamter Veräußerungsgewinn im Jahr unter 1.000 Euro, ist er steuerfrei.

Der Cliff-Effekt ist entscheidend: Ein Gewinn von 999 Euro bleibt komplett steuerfrei, ein Gewinn von 1.000 Euro ist komplett steuerpflichtig. Für Krypto-Sportwetten gilt dieselbe Rechnung, nur der Wettgewinn selbst ist steuerfrei.

Österreich: 27,5 % KESt ohne Haltefrist

In Österreich unterliegen Gewinne aus Kryptowährungen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (§ 27a Absatz 1 EStG), ohne jede Haltefrist. Das gilt für Coins, die nach dem 28. Februar 2021 angeschafft wurden. Eine Einzahlung von Coins beim Casino, also die Verwendung als Zahlungsmittel, ist eine steuerpflichtige Veräußerung. Der Tausch einer Kryptowährung in eine andere ist dagegen kein Veräußerungsvorgang.

Glücksspielgewinne privater Spieler sind in Österreich nicht steuerbar: Lottogewinne werden ohne Abzüge ausgezahlt, und auch Casinogewinne fallen grundsätzlich unter keine Einkunftsart. Das Steuerrisiko liegt also an der Kryptowährung, nicht am Gewinn selbst.

Schweiz: Kapitalgewinne im Privatvermögen steuerfrei

In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen steuerfrei (Art. 16 Absatz 3 DBG). Wer Kryptowährungen als Privatperson kauft und verkauft, versteuert den Kursgewinn nicht, solange die Tätigkeit private Vermögensverwaltung bleibt und nicht in gewerbsmäßigen Handel kippt. Besteuert wird dagegen das Vermögen selbst über die kantonale Vermögenssteuer.

Beim Glücksspiel unterscheidet die Schweiz: Gewinne in Schweizer Casinos vor Ort sind steuerfrei. Für Online-Casinospiele und Großspiele fällt ab einem jährlichen Freibetrag die Verrechnungssteuer von 35 Prozent an, die bei ordentlicher Deklaration zurückerstattet oder angerechnet wird.

Rechtslage: Nur Anbieter auf der GGL-Whitelist

In Deutschland dürfen nur Anbieter, die auf der amtlichen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, Online-Glücksspiel an Spieler in Deutschland richten (§ 9 Absatz 8 GlüStV 2021). Angebote, die dort fehlen, gelten als unerlaubt. Österreich und die Schweiz haben eigene Lizenz- und Monopolregeln. Mehr dazu erklärt unser Überblick zur Rechtslage.

Belege und Steuererklärung

Für die Steuererklärung hältst du bei jeder Einzahlung und Auszahlung drei Angaben fest: das Datum, den Marktwert in Euro und den Anschaffungswert der Coins. Diese Werte liefert die Krypto-Börse oder ein Kursnachweis zum Stichtag. Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften erklärst du als sonstige Einkünfte in der Anlage SO.

Verluste aus Krypto-Veräußerungen lassen sich mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnen, nicht aber mit dem steuerfreien Casino-Gewinn. Ab 2027 erhalten die Finanzämter erstmals automatisch Daten zu Krypto-Transaktionen ab dem 1. Januar 2026. Auch deshalb lohnt sich eine lückenlose Dokumentation von Kaufdatum, Verkauf, Gebühren und Wallet-Adressen. Den Einstieg findest du im Ratgeber oder bei Krypto-Wallets fürs Casino.

FAQ

Sind Casino-Gewinne in Deutschland steuerpflichtig?

Nein. Für private Spieler fallen Glücksspielgewinne unter keine der sieben Einkunftsarten des § 2 EStG und sind damit einkommensteuerfrei, unabhängig von der Höhe. Steuerpflichtig werden nur gewerbliches Spiel, etwa professionelles Poker, sowie Zinsen und Erträge aus angelegten Gewinnen.

Wann muss ich Krypto-Gewinne aus dem Casino versteuern?

Wenn du Coins innerhalb eines Jahres nach dem Kauf einzahlst oder gewonnene Coins innerhalb eines Jahres wieder verkaufst, entsteht ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG. Steuerpflichtig ist der Wertzuwachs, sobald dein gesamter Veräußerungsgewinn im Kalenderjahr 1.000 Euro erreicht.

Wie lang ist die Krypto-Haltefrist in Deutschland?

Ein Jahr. Wer Kryptowährungen länger als ein Jahr zwischen Anschaffung und Veräußerung hält, verkauft sie steuerfrei nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG. Die Frist beginnt mit dem Kaufdatum jeder einzelnen Tranche.

Was ist die Freigrenze von 1.000 Euro bei Krypto?

Die Freigrenze gilt für den gesamten Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften eines Kalenderjahres. Unter 1.000 Euro bleibt der Gewinn steuerfrei. Ab 1.000 Euro wird der komplette Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der übersteigende Teil (Cliff-Effekt).

Wie werden Casino-Gewinne in Österreich und der Schweiz besteuert?

In Österreich sind Glücksspielgewinne privater Spieler nicht steuerbar, Krypto-Gewinne unterliegen aber 27,5 Prozent KESt ohne Haltefrist. In der Schweiz sind Kapitalgewinne im Privatvermögen steuerfrei, Schweizer Casino-Gewinne vor Ort ebenfalls, Online-Gewinne unterliegen ab einem Freibetrag der Verrechnungssteuer von 35 Prozent.

Glücksspiel hat einen Hausvorteil, und Verluste sind langfristig die Regel. Spiel nur mit Geld, das du verlieren kannst. Hilfe gibt es kostenlos bei Gamblers Anonymous und Gambling Therapy. Mehr dazu auf unserer Seite Verantwortungsvolles Spielen.

Quellen

  1. § 23 EStG: private Veräußerungsgeschäfte, Haltefrist und Freigrenze (gesetze-im-internet.de)
  2. § 2 EStG: die sieben Einkunftsarten (gesetze-im-internet.de)
  3. Finanzministerium Baden-Württemberg: Besteuerung von Kryptowährungen
  4. BMF Österreich: Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen
  5. Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV): Geldspielgewinne und Geldspielgesetz
  6. ESTV: Steuerfreiheit der Kapitalgewinne aus Privatvermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG)
  7. GGL: Übersicht erlaubter Anbieter (Whitelist), Stand 02.11.2026
  8. Österreichische Lotterien: Steuern auf Lottogewinne
Jonas Weber

Über den Autor

Jonas Weber

Jonas leitet die deutschsprachige Rubrik: Bitcoin- und Krypto-Casinos, Boni und Sportwetten mit Krypto. Vor jeder Veröffentlichung prüft er die Bedingungen des Anbieters und dessen Lizenzeintrag beim Regulierer.